Petrus Pustet – der letzte Propst des Augustinerchorherrenstifts Rohr

Was mag ein Mann wohl empfinden, wenn er erfährt, daß unter seiner Ägide eine Tradition von 670 Jahren schlagartig zu Ende geht, und er, der die Verantwortung trägt, ohnmächtig zusehen muß, wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Diese Frage kann im Hinblick auf jeden Ordensoberen gestellt werden, der im Jahre 1803 einem bayerischen Kloster oder Stift vorstand. Die folgenden Zeilen sind einem dieser Klostervorsteher gewidmet, nämlich Petrus Pustet, dem letzten Propst des Augustinerchorherrenstift Rohr. Abgesehen von lokalpatriotischen Gründen ist diese Arbeit durch den weiteren Lebensweg des Herrn Peter motiviert. Der Ex-Konventuale wurde nämlich 1824 von König Maximilian I. Joseph zum Bischof von Eichstätt ernannt. Damit steht er in einer Reihe mit dem Regensburger Oberhirten

Propst Petrus Pustet (1801-1803)

Propst Petrus Pustet (1801-1803)

Johann Michael Sailer und dessen Schülern Ignaz Albert von Riegg, Johann Maria Manl und Franz Xaver Schwäbl.(1)

Petrus Pustet (Buchstett) wurde am 16. März 1764 zu Hemau in der Oberpfalz geboren und auf den Namen Johann Jakob Josef getauft.(2) Sein Vater Johann Georg war Lehrer und Chorregent. Die Mutter, eine geborenen Baklin, hieß Maria Anna. Wohl im Jahre 1784 trat Pustet in das Augustinerchorherrenstift Rohr ein. Am 4. November wurde er eingekleidet und am 7. November 1785 legte er die Profeß ab. Die Priesterweihe empfing er am 23. September 1787 in Regensburg.  Drei Jahre später promovierte er an der Universität Ingolstadt zum Magister und Doktor der Freien Künste und der Philosophie. Schon vor Beendigung seiner Studien wurde er  1789 zum Pfarrvikar der dem Stift inkorporierten Pfarrei Eschenhart bestellt. Nach der promotion wurde er jedoch sofort zum Professor der Höheren Grammatik an der Universität Ingolstadt berufen. Dort blieb er bis 1795. Ein Jahr später wurde er Pfarrvikar von Laaberberg. …

(1) Der einstige Pollinger Augustinerchorherr Riegg erhielt 1824 das Bistum Augsburg; der Benediktiner Manl wurde 1827 Bischof von Eichstätt; den Jesuitennovizen Sailer ernannte König Ludwig I. zum Bischof von Regensburg; und Schwäbl, der frühere Bartholomäer, wurde 1833 sein Nachfolger. Vgl. Albert, Marcel: Ordensleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Kontinuität, Restauration und Neuanfänge, in: Gatz, Erwin (Hg.): Klöster und Ordensgemeinschaften (= Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern seit dem Ende des 18. Jahrhunderts VII), Freiburg – Basel – Wien 2006, 149-204, hier 157.

(2) Zum Folgenden siehe Zeschick, Johannes: Die Rohrer Chorherren vom Jahre 1700 bis zur Aufhebung des Stiftes, in: Ders. (Hg.): Kloster in Rohr. Geschichte und Gegenwart, Landshut 1986, 75-123, hier 113.

(Fortsetzung folgt!)

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