4. Mai – Fest des hl. Florian

Florian Das Christentum auf später bayerischen Stammesgebiet reicht bis in die Römerzeit zurück. Dessen Anfänge liegen freilich im Dunkeln. Es werden wohl Beamte, Soldaten Kolonisten und Händler gewesen sein, die – vom Süden und Osten her – das Evangelium in den Donauprovinzen des Imperium Romanum verbreitet haben. Die neue Religion indes war verboten und wurde in mehr oder minder regelmäßigen Abständen blutig verfolgt. In der Zeit, als das Christen- zur letzten Kraftprobe mit dem Heidentum antrat, tritt aus dem Dunkel eine Märtyrergestalt in das Licht der Geschichte: der hl. Florian. Es ist äußerst bemerkenswert, dass das Andenken an diesen Heiligen, an dessen Martyrium am 4. Mai erinnert wird, im Freistaat und in der Alpenrepublik Österreich bis in die Gegenwart lebendig und überaus volkstümlich geblieben ist. Ende des vorletzten Jahrhunderts wurden zwischen den Historikern ein leidenschaftlicher Kampf um die Glaubwürdigkeit der “Passio Floriani” geführt. Man hat mit dem legendarischen Charakter dieser Quelle, die aus der Karolingerzeit stammt, auch Florians geschichtliche Authentizität und dessen Martyrium in Frage gestellt. Mittlerweile ist der Streit um die Historizität des Heiligen und seines Martyriums positiv entschieden. Dies ergab die Auswertung der Eintragung Florians im so genannten Martyrologium des hl. Hieronymus (347-420). Darunter versteht man einen um 450 in Oberitalien entstandenen und dem Kirchenlehrer fälschlicherweise zugeschriebenen Heiligen- und Märtyrerkalender, der zu Beginn des 7. Jahrhunderts überarbeitet und interpelliert wurde. Hier ist unter dem 4. Mai zu lesen: “In Ufernoricum, im Orte Lauriacum (=Lorch), der Geburtstag Florians, eines ehemaligen Kanzleivorstands des Zivilstatthalters, auf dessen Befehl er mit einem um den Nacken gebundenen Stein von der Brücke in die Enns gestürzt wurde, wobei ihm – wie alle Umstehenden sahen – die Augen brachen.” Unter “Ufernoricum” ist der an der Donau im Voralpenland gelegene Teil der römischen Provinz Noricum zu verstehen, der sich vom Inn in östlicher Richtung bis zum Wienerwald erstreckte.

Rätien und Noricum

Rätien und Noricum

Die Teilung der Provinzen in die Verwaltungsbezirke “Ufer-” und “Binnennoricum” fand unter Kaiser Diokletian (283-305) statt. Damit ist ausgesagt, dass das Florians Martyrium in die letzte der großen reichsweiten Verfolgungen des Christentums anzusetzen ist. Da diese Verfolgungswelle in die letzten Regierungsjahre (303-305) des Herrschers fiel, kommt für das Martyrium der 4. Mai 304 in Betracht. Das Martyrologium spricht vom “Geburtstag” des Heiligen, da im Frühchristentum der Todestag als Geburtstag für den Himmel angesehen wurde. Der Ort des grausamen Geschehens war Lauriacum, das heutige Lorch. Es handelt sich dabei nicht um die Hauptstadt Noricums; das war Virunum und nach der Teilung der Provinz Ovilava, das heutige Wels. Florian wird ehemaliger (ex) Vorstand (princeps der Kanzlei (officii) des Zivilstatthalters (praesidis) genannt. Es handelt sich dabei um eine genaue Berufstitulatur der römischen Beamtenhierarchie aus diokletianischer Zeit. Das erhöht natürlich die Glaubwürdigkeit des Eintrags ins Martyrologium. Der Legendenschreiber hätte sie nicht erfinden können. Er verstand sie nicht und schwächte sie ab zu einem “princeps officii”, woraus schließlich die Vorstellung von Florian als einem römischen Offizier erwuchs. Florian Man darf allerdings nicht von einem alten, ausgedienten Mann im Ruhestand ausgehen. Eher ist anzunehmen, dass es sich bei Florian um einen enthobenen, zwangspensionierten Beamten handelte, der seines Glaubens wegen bereits nach dem ersten Edikt Diokletians seinen exponierten Posten beim Statthalter verloren hatte. Als Kanzleichef war Florian der höchste Verwaltungsbeamte der Provinz – ein Zeichen, dass das Christentum in Noricum bereits Eingang in die höchsten gesellschaftlichen Kreise gefunden hatte. Der Begriff “praeses” war die amliche Bezeichnung für den Statthalter der nicht senatorischen, kaiserlichen Provinzen.

Florian wurde in die Enns geworfen, die unweit von Lorch in die Donau mündet. Die Notiz von seinem Wassertod ist keine spätere Erfindung, sondern weist ebenfalls in die diokletianische Zeit. So wurde z. B. der jugendliche Bischof Irenäus von Sirmium (t 304) während der gleichen Verfolgung auf der Savebrücke mit dem Schwert hingerichtet und sein Leichnam in den Fluss geworfen.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wann die Eintragung Florians in das Martyrologium erfolgte. Dafür ergeben sich eine ganze Reihe von wichtigen Indizien. Die anfangs des 7. Jahrhunderts wohl im Kloster Luxeuil vorgenommene Erweiterung des Martyrologiums fällt in die Zeit des Abtes Eustasius (t629). Der Mönch hatte die Bayernmission in Angriff genommen. Dadurch war eine Verbindung zwischen Luxeuil und Lorch gegeben, das wohl Ausgangspunkt des Missionswesens war.

(Fortsetzung folgt!)

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