1809 – Die Schlacht um Rohr

Es wurde schon an anderer Stelle (Januar 2010) gesagt, daß die Bezeichnung “Schlacht bei Abensberg” der Komplexität des Raumes und der Kampfhandlungen nicht gerecht wird. Die Präposition “bei” gruppiert lediglich die Orte des Grauens um das Städtchen, zu dem Napoleon geeilt war, um seine Truppen gegen die Österreicher zu dirigieren. Von Gaden aus setzte er Bayern und Württemberger in Bewegung, die bis Bachl vormaschierten.

Inzwischen war Marshall Jean Lannes von Norden her bei Bachl angekommen und griff die österreichischen Truppen heftig an. Napoleon setzte also zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten verschiedene Kontingente ein, so daß sich die Österreicher unmittelbar nacheinander gleichsam zwei Gegenern ausgesetzt sahen. Getrennt von ihrer Reiterei floh die Infanterie in die Gehölze, um nach Rohr zu entkommen. Dort wurden inzwischen die österreichischen Truppen verstärkt. Napoleon ließ die Division „Kronprinz“ in Bachl stehen. Gleichzeitig vereinigte sich Lannes mit der Kürassierdivision „St. Sulpice“. Eine Brigade schickte er sofort nach Rohr, in der Hoffnung, die Österreicher vorher abfangen zu können. Dort war das Detachement Schustekhs zum Schutze der fliehenden österreichischen Infanterie aufgestellt worden. Die konnte aber ohne besondere Verluste Rohr erreichen. Ein französisches Chasseur-Regiment versuchte nun den rechten Flügel der Österreicher zu umgehen, doch die Kienmeier-Husaren drängten sie zurück. Die Kürassiere fassten nun die Husaren an der linken Seite, warfen sie zurück und verfolgen sie durch den Markt Rohr. Hier war die Infanterie aufgestellt. Nach Lage der Dinge kam es zum Häuserkampf. Schließlich flohen die Österreicher nach Rottenburg.

Die Kampfhandlungen in Rohr sind kaum zu rekonstruieren. Aufgrund der lokalen Gegebenheiten darf angenommen werden, daß die französichen Truppen von Bachl über Straßenhaus nach Rohr zogen. Sie müssen also an den Espanweihern die Ortsgrenze erreicht haben. Es liegt in der Natur der Sache, daß es bei einem Häuserkampf keine eindeutige Truppenbewegung bzw. Stoßrichtung mehr gibt. Und die Österreicher dürften wohl auf der alten Chausseestraße nach Landshut Richtung Rottenburg geflohen sein. Dafür bietet die von Vino Schwertl tradierte Sage “Die Geister am Weißenkellerberg” einen Anhaltspunkt. “Der Weißenkellerberg liegt zwischen Rohr und Thaldorf an der alten Straße, die von Regensburg nach Landshut führte. … Ein Denkmal auf dem Weißenkellerberg erinnert an das Gefecht, das im Jahre 1809 dort stattgefunden hat. Die Geschichte erzählt, daß dabei viele tapfere Krieger ihr Leben lassen mußten und daß der Boden mit Blut getränkt wurde. Und die Leute wissen zu berichten, daß es nicht ratsam sei, zu mitternächtlicher Stunde allein über den alten Kampfplatz zu gehen. Ein großer schwarzer Hund mit feurigen Augen erscheint. Er läßt niemand über den Berg. Wenn nach ihm geschlagen wird, verschwindet er, ist aber im nächsen Augenblick wieder da und vollbringt ein gottserbärmliches Geheul, das selbst den tapfersten Mann weichen läßt. Besonders aufdringliche Wanderer verfolgt er bis zur Haustür. Auch über die Felder läuft er ihnen nach. Mit dem ersten Glockenschlag der Morgenstunde verschwindet er. Manchmal stehen auch die im Kampf gefallenen Pferde auf und versperren mit feurigen Ketten am Hals den Weg.” Inhaltlich gibt die Sage nicht viel her. Dämonische Tiere hindern nächtliche Wanderer am Weitermarsch. Die historischen Hintergründe sind auf ein Minimum reduziert. Der Ort des gespenstischen Treibens war 1809 Kriegsschauplatz. Es kann ja durchaus sein, daß ein nächtlicher Wanderer von einem Hund verfolgt oder von einem ausgebrochenen Pferd erschreckt wurde. Die Geschichte wurde dramatisiert und aus den Tieren wurden Fabelwesen. Deren Auftreten wurde schließlich mit dem Schlachtenort begründet.

Ist die Sage deshalb historisch wertlos? Um das zu klären, muß man sich die Topographie des Ortes genauer ansehen. Rohr liegt im tertiären Hügelland. Ein Bach, der von West nach Ost verläuft, bildet gleichsam ein Tal, um das sich das Kloster und die ursprüngliche Siedlung gruppieren. Die Hügel wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg bebaut. Geht man nun davon aus, daß die Östtereicher versucht haben, beim Espanweiher eine Verteidigungslinie aufzubauen, die aber den Attacken der Franzosen nicht gewachsen war, so bleibt als einzige Folge die Flucht durch den Markt. Zwischen den Häsern kann man zwar in Deckung gehen oder sich verstecken, aber keine Gegenwehr organisieren. Dies ist erst wieder auf freiem Feld möglich. 1809 endete der Ort an der Stelle, an der heute die Asam- in die Wildenberger Straße mündet. Folgt man der alten Verbindungsstraße nach Landshut, steigt das Terrain ständig an, bis es am Weißen Kellerberg den Scheitelpunkt erreicht.

(Fortsetzung folgt!)

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