Wenn jemand eine Reise tut, dann …

Johannes Paul II. (1978 - 2005)

Johannes Paul II. (1978 – 2005)

“Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.” (Mt 28 19f.). Nimmt man diese oder eine Parallelstelle des Neuen Testaments – wie viele Zeitschriften es getan haben oder immer noch tun – gleichsam als theologische Grundlage für die 104 Auslandsreisen des Wojtyla-Papstes, auf denen er 129 Staaten besucht und rechnerisch genug Kilometer zurückgelegt hat, um 29 Mal den Globus zu umrunden, so stellt siche die Frage, warum viele seiner Vorgänger Rom nie verlassen haben. Allein die Tatsache, daß kein Biograph des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. (1978-2005) ohne die eingehehnde Beschäftigung mit seinen Personalreisen auskommt, macht deutlich, daß es sich dabei um eine Besonderheit, ja geradezu um ein unverwechselbares Merkmal dieses Pontifikats handelt.

Das Thema “reisende Päpste” befindet sich allerdings in einem schwierigen, meist kaum bekannten Kontext. Übersehen werden darf aber auf keinen Fall die Tatsache, dass die Nachfolger Petri bis zur vorübergehenden Auflösung des Kirchenstaats im Jahre 1870 niemals nur als Hirten und Seelsorger, sondern auch als Staatsmänner unterwegs waren. Beschränken wir uns bei unseren Überlegungen auf unsere Heimat. Insgesamt haben nur vier Päpste Bayern besucht. Den Anfang macht im Jahr 1052 Leo IX. (1049-1054) aus dem Geschlecht der Grafen von Egisheim-Dagsburg. Der gebürtige Elsässer hat nach seinem Amtsantritt drei Reisen über die Alpen übernommen, die letzte 1052, um vermittelnd im Konflikt zwischen dem Kaiser und dem ungarischen König Andreas I. (1046-1060) einzugreifen.

 

 

Leo IX. (1049-1054)
Leo IX. (1049-1054)

Tatsächlich brach Heinrich III. (1039-1056), nachdem der Papst persönlich am Schlachtenort erschienen war, die Belagerung Preßburgs ab. Nun begaben sich das Reichsoberhaupt und Leo IX. nach Regensburg. “Es war eines der letzten ungetrübten Bilder des Zusammenswirkens der abendländischen Christenheit, als hier Leo IX. am 7. Oktober in Anwesenheit des Kaisers, der geistlichen und weltlichen Fürsten und einer großen Volksmenge, den Wunsch der Regensburger Kirche nach weiteren Heiligen in der Bischofsstadt erfüllend, die Gebeine Bischof Wolfgangs aus ihrem bisherigen Grab barg und in die neue Krypta unter dem Westchor der Emmeramskirche übertrug.” (Karl Hausberger) Gleichzeitig wurden die sterblichen Überreste des in der Niedermünsterkirche beigesetzten Bischofs Erhard zur allgemeinen Verehrung erhoben.

Die letzte Reise, die jeder Mensch anzutreten hat, sollte Papst Clemens II. (1046/47) nach Bamberg zurückkehren lassen.

Grabmal Clemens' II. im Bamberger Dom

Grabmal Clemens' II. im Bamberger Dom

Kaiser Heinrich III. hatte am 24. Dezember 1046 auf der Synode von Sutri drei Päpste abgesetzt und Bischof Siutger von Bamberg an deren Stelle gesetzt. Nach einer weiteren Synode, die im Januar 1047 stattfand, begleitete Clemens II. das Reichsoberhaupt auf mehreren Reisen. Während der Rückkehr aus Deutschland starb der Papst unter mysteriösen Umständen nach einem Pontifikat, das nicht einmal ein Jahr währte in Foglia in der Nähe von Pesaro. Sein Leichnam wurde nach Bamberg gebracht und im dortigen Dom beigesetzt. Es ist das einzige Papstgrab nördlich der Alpen.

Es sollte weit mehr als 700 Jahre dauern, ehe wieder ein Papst den Weg nach Bayern fand. Beurteilt man den Besuch Pius’ VI. (1775-1799), mit bürgerlichem Namen Giovannangelo Braschi, mit heutigen Augen, so mag man über die Kälte, mit der er von der bayerischen Bevölkerung empfangen wurde, überrascht sein. Als der Pontifex am 26. April 1782 in München einfuhr, läuteten zwar alle Glocken, der Jubel fiel aber eher bescheiden aus. Nur wenige Einwohner der Residenzstadt mochten nämlich bei strömenden Regen aus dem Haus gehen, um den Gast zu sehen. Von den wenigen Neugierigen und Frommen, die sich trotzdem am Wege aufstellten, beugten nur die Mönche die Knie. Zwei Tage später versammelten sich dann zwar 50ooo Menschen auf dem Schrannenplatz, doch als der Papst den Segen spendete, kniete nur Kurfüst Karl Theodor (1777-1799) nieder.

Um das Verhalten der Münchner Bevölkerung verstehen zu können, müssen wir uns zunächst mit dem Landesherrn beschäftigen.  Der Pfälzer hatte in Altbayern nie richtig Fuß fassen können.

… (Fortsetzung folgt)

Pius VI. (1775-1799)

Pius VI. (1775-1799)

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