Fritz Beck und die Aktivitäten des Rohrer Geschichtsvereins

Neben Vino Schwertl gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Rohr noch zwei weitere Ortsheimatpfleger, nämlich den Tierarzt Dr. Josef Pletz und Fritz Beck. Letzter hat zwischen 1923 und 1930 die “Chronik der Marktgemeinde und des Klosters Rohr i. NB” zusammengestellt. Geboren wurde Beck am 30. März 1894 in Rohr. In den Jahren von 1923 bis 1930 stellte er die Unterlagen zusammen. Mit Mitgliedern des “Rohrer Geschichtvereins” sammelte er altes Aktenmaterial über Beruf, Hausbesitzer, Verehelichungen Rohrer Bürger und über Verhörprotokolle des Klosterrichters. Die Existenz dieses Vereins läßt sich nur Becks Unterlagen erschließen. Das Gründungsdatum und die offizielle Auflösung des Vereins, falls es eine solche überhaupt gegeben hat, sind nicht überliefert. Es darf angenommen werden, daß es regelmäßige Versammlungen gegeben hat; Protokolle existieren offensichtliche keine (mehr). An der Sammlung des alten Aktenmaterials haben sich laut Vorwort der “Chronik” einige Mitglieder des Vereins beteiligt. Die spektakulärste Aktion war wohl 1930 die Ausgrabung an den Keltengräbern in der Nähe von Grub. Nachdem im Jahre 1922 der Rohrer Lokalhistoriker Dr. Josef Pletz auf einen Ringwall in der Nähe der Einöde aufmerksam geworden war, brachen einige Mitglieder des Geschichtsvereins auf, um das Geländedenkmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Auf dem Weg dorthin stießen sie – etwa einen Kilometer nördlich von Grub – auf Bodenerhebungen, die man als vorgeschichtliche Grabhügel interpretierte. Da man der Deutung des Landesamtes für Denkmalpflege, daß es sich hier lediglich um Windbruchhaufen handle, keinen Glauben schenken wollte, unternahm man fünf Jahre später, also 1927, einen Grabungsversuch, der allerdings ergebnislos verlief. Drei Jahre später wurde man jedoch fündig. Beck hatte inzwischen den Benefiziaten Zoller aus Obereulenbach und die Lehrer Wiesmüller und Bindl aus Rottenburg bzw. Laaberberg für seinen Plan, weiterzugraben, begeistern können. Am 10. Juni 1930 wurde seine Hartnäckigkeit belohnt: Eine Pfeilspitze war der erste Fund, es folgten Tonstücke und Knochenreste. Weitere Grabungen förderten Armspangen, Fibelteile und sogar einen unversehrten Topf zutage.
Was aus den Funden wurde, geht aus Becks Grabungsbericht nicht eindeutig hervor. Nach Lage der Dinge wurden sie zunächst im Rohrer Heimatmuseum untergebracht, das nur in diesem Zusammenhang Erwähnung findet. Die Hobbyarchäologen wurden nämlich beim Bezirksamt vorstellig, sich beim Landesamt dahin zu verwenden, daß die Grabungen fortgesetzt werden dürfen, zumal man in Rohr bereits eine solche Einrichtung hat, für welche diese Funde von größter Bedeutung wären. Es ist aber nicht bekannt, wo sich dieses Museum befand, wann es eröffnet und warum es wieder geschlossen wurde.

Zu einem späteren Zeitpunkt müssen zumindest Teile des Fundes von Experten untersucht worden sein. Während nämlich Beck in seinem Bericht irrtümlich von “Keltengräbern” spricht, ordnet die wissenschaftliche Literatur die gefundenen Stücke der älteren Bronzezeit (ca. 2000-750 v. Chr.) zu. Ferner weiß sie zu berichten, daß die sie “bis auf Nachlesefunde in der Prähistorischen Staatssammlung für ein Heimatmuseum in Langquaid [!] vorgesehen waren und später verschollen sind”. Der letzte Satz gibt mehrere Rätsel auf: Wo wurden die Funde wissenschaftlich untersucht – in Rohr oder in München? Und warum sollten sie in Langquaid untergebracht werden? Handelt es sich vielleicht um eine Verwechslung der beiden Marktgemeinden?
In Rohr waren diese Dinge weitgehend in Vergessenheit geraten. Offensichtlich hat sich zwischen den Grabungen und 1970 niemand mehr für die Funde interessiert. In diesem Jahr verfasste der Landhuter Historker Dr. Georg Spitzlberger einen Aufsatz über die die “Vor- und frühgeschichtlichen Fundstätten im Land der Großen und Kleinen Laaber”. Dieser enthält Zeichnungen von Fundstücken, die 1930 in Grub zutage gefördert wurden. Eine entsprechende Anfrage ergab, daß die einige der Gruber Funde von einem der Grabungsteilnehmer verwahrt worden waren. Der hat sie ihm auch zum Abzeichnen zur Verfügung gestellt. Seit dessen Tod gelten sie als verschollen. So bleiben fürs erste nur die wunderschönen Zeichnungen des Landshuter Historikers, um an die Erfolge heimatgeschichtlicher Forschungen vergangener Tage zu erinnern.

Die letzte Grabung und die Beendigung der Materialsammlung für die “Chronik” fallen in das Jahr 1930. Damit brechen alle Aktivitäten des Rohrer Geschichtsvereins ab. Offensichtlich hat die nun einsetzende Passivität ihre Ursache in der Übersiedlung Becks von Rohr nach Augsburg. Wahrscheinlich fehlte es den übrigen Mitgliedern an neuen Themen, um weiterhin aktiv zu bleiben.

(Fortsetzung folgt)

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