Die kuriosen Predigten des Laaberberger “Bauernpfarrers” Anton Westermayer

Die Predigten des Pfarrers Anton Westermayer gehören längst zu den Höhepunkten der bayerischen Literaturgeschichte. Das “Rosenheimer Verlagshaus” hat sie publiziert und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Im Jahre 2001 wurden sie unter dem Titel “Kuriose Predigten eines Bauernpfarrers” neu aufgelegt. (1) Dabei war der Kleriker alles andere als ein Bauernpfarrer. Von 1840, dem Jahr seiner Priesterweihe, bis zum seinem Tod 1894, pastorisierte er nämlich nur eine einzige bäuerlich geprägte Pfarrei. (2) Von 1844 bis 1850 war Westermayer Pfarrer von Laaberberg (Gemeinde Rohr i.NB; Landkreis Kelheim).

Ein tiefer Fall: Der von unehelicher Abstammung am 2. Januar 1816 in Deggendorf geborene Westermayer hatte am Herzoglichen Georgianum in München studiert, ehe er am 6. Mai 1840 in Regensburg zum Priester geweiht wurde. Befähigt “zur Redekunst und Literatur” bestellte man ihn bereits im Dezember 1841 zum Verweser der Domkanzel. Am 30. Juni 1842 wurde Westermayer von König Ludwig I. (1825-1848) schließlich offiziell zum Domprediger ernannt – eine höchst ehrenvolle Berufung für einen 26 Jahre alten Priester.

Westermayer ging selbstbewusst an seine Aufgabe: ” Wenn der Bischof diese Aufgabe hat, in der gesunden Lehre zu unterrichten, die Widersprecher zu widerlegen und die Schwätzer, die heut zu Tage auf anderem Gebiete ihr Zungengedresche üben, als unter dem Volke Israels, zum Schweigen zu bringen: so hat diese Pflicht gewiß auch der Stellvertreter des Bischofs – der Domprediger.” (3) Bei solch markigen Worten ist bes nicht verwunderlich, dass man ihm bald vorwarf, bei seinen Kanzelreden Schähungen gegen die Lutheraner und ihre Kirche zu äußern. Schließlich kam es zu einer polizeilichen Untersuchung. Auch die staatlichen wie kirchlichen Vorgesetzten wurden eingeschaltet. Schließlich wurde er am 1. Februar 1844 wegen “Majestätsbeleidigung” seines Amtes enthoben und als Pfarrer nach Labberberg versetzt.
Seine Abschiedspredigt ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: “Als Prediger der katholischen Kirche, als Prediger auf einer Domkanzel war ich meinem Gewissen und euch schuldig, die katholische Lehre nach allen Seiten hin zu beleuchten und sie in aller Schärfe vorzutragen. Weil ihrer aber in starker Mischung lebt, so mußte ich ich auch jedesmal die Nichtigkeit des gegentheiligen Irrthums darthun.” (4) Westermayer war sicher kein Vorreiter der Ökomene, aber ein typischer Charakterkopf, wie sie das 19. Jahrhundert in Bayern hervorbrachte. Sowohl der Dompredigerstelle als auch die Pfarrei Laaberberg wurden infolge der Säkularisation vom bayerischen König besetzt.(5) Er stand also unter der Kuratel der staatlichen und nicht der kirchlichen Gewalt. Und in kirchlicher Hinsicht hatte er sich nichts zu schulden kommen lassen. Auch der Regensburger Bischof Valentin von Riedel (1841-1857) galt bei König Ludwig I. (1825-1848) als Vertreter der ultramontanen Richtung. Trotzdem hatte Westermayer von ihm keine Hilfe zu erwarten. Es gab keine 30 Pfarreien, in denen der Oberhirte das freie Besetzungsrecht ausübte. Und nur die Versetzung auf eine solche Seelsorgestelle hätte Westermayer der staatlichen Aufsicht entzogen.

Nach dem Urteil des Dekans leistete der ehemalige Domprediger in Laaberberg hervorragende Arbeit und hat darüber hinaus die Muße, ein Predigtwerk mit dem Titel “Bauernpredigten, die auch Stadtleute brauchen können” zu verfassen. Die Hörer waren seine Pfarrkinder. Doch Laaberberg ist Westermayer zu klein. Was tut nun ein bayerischer Pfarrer im 19. Jahrhundert, der unter der Fuchtel der weltlichen Obrigkeit steht und der diesem Zwang entfliehen möchte; er geht in die Politik. Es ist nichts Ungewöhnliches, daß ein Priester im 19. Jahrhundert am politischen und parlamentarischen Leben teilnahm, zumal der Klerus in dieser Zeit einen hohen Anteil der katholischen Elite stellte.

1849 wird er in die bayerische Abgeorndetenkammer gewählt und entfaltet dort sein politisches Talent bis 1855. Als konservativer Charakter befürwortet er den bestehenden Staat, wendet sich aber gleichzeitig gegen staatskirchliche Bestrebungen, welche die Freiheit der Kirche beschränken. Ein Jahr später verläßt er Laaberberg und wird Stadtpfarrprediger bei St. Peter.

Doch nun zu den “Bauernpredigten”!



(Fortsetzung folgt!)


(1) Die Erstauflage war unter dem Titel “Bauernpredigten, die auch manche Statdtleute brauchen können.

(2) Näheres zum Folgenden bei Schrüfer, Werner: Eine Kanzel ersten Ranges, Regensburg 2004, 93.

(3) Westermayer, Glaubenspredigten I, Vorrede XI:
(4) Schrüfer 94.
(5) Matrikel 1916, 81 und 473.
(6) Gatz, Erwin: Priester als Partei- und Sozialpolitiker 376.

(Fortsetzung folgt)

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