Da damische Kine? – Il Re pazzo? – The crazy King?

Ludwig II.

Ludwig II.

2011 jährt sich der geheimnisumwobene Tod Ludwigs II. zum 125. Mal. Die Herrschaft, die 1864 so verheißungsvoll begann, endete im Jahre 1886 auf Schloß Hohenschwangau.

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“Wos?” Der König ist doch im Starnberger See ertrunken?! Richtig! Seine Herrschaft endete allerdings nicht am 13 . Juni 1886 im Wasser, sondern “bereits” am 9. Juni infolge seiner Entmündigung.
Glaubt man dem Juristen Wilhelm Wöbking, ist der König – ein guter Schwimmer – in Suizidabsicht in den See gegangen und hat Dr. Bernhard von Gudden, den behandelnden Nervenarzt, der ihn daran hindern wollte, durch Strangulieren mit in den Tod genommen hat. Anhaltspunkte für einen Mord gibt es demnach nicht. Wöbkings Buch ist zum 100. Todestag Ludwigs II., also 1986, erschienen.
Als ich vor kurzem das Buch des Psychiaters Heinz Häfner in die Hand bekam und den Titel “Ein König wird beseitigt” las, dachte ich zunächst, daß die Mordtheorien neuen Auftrieb erhalten haben.
Weit gefehlt! Was die Todesumstände des Königs betrifft, folgt der Psychiater dem Juristen. Am Schluß des fast 550 Seiten umfassenden Werkes faßt Häfner zusammen: “König Ludwig II. war weder geisteskrank noch geistesschwach.”
Ehe ich daran gehe, aus der Fülle des Materials, das Prof. Dr. Häfner zusammengetragen hat, einige Punkte zu erörtern, erlaube ich mir ein paar persönliche Dinge sagen: Wenn mich ein Amerikaner oder ein Italiener fragt, wo ich denn herkomme, antworte ich grundsätzlich: Aus der Holledau! Für “hops” oder “luppolo” hat sich noch jeder interssiert, vor allem, wenn sie im Bier drinnen sind. Scherz beiseite!
Als Holledauer verleugne ich weder meine bayerische Heimat noch mein deutsches Vaterland. Und daß die Niederbayern im Grunde ihres Herzens Kosmopoliten sind, zeigt schon das wittelsbachische Teilherzogtum Straubing-Holland, das Teile des heutigen Niederbayern sowie die niederländischen Grafschaften Hennegau, Holland, Seeland und Friesland umfaßte. Es bestand von 1353 bis 1425/29 und wurde von Straubing und Den Haag aus regiert. Das Herzogtum zerfiel, als die Straubinger Linie der Wittelsbacher im Mannesstamm ausstarb, und nicht an nationalen Gegensätzen.
Obwohl ich mich seit meiner Schulzeit mit König Ludwig II. und seinem rätselhaften Tod beschäftige, bin ich kein Nostalgiker, kein König-Ludwig-Vereins-Mitglied, kein bayerischer Sezessionst und schon gar kein Monarchist. Das Buch von Häfner hat mich in dieser Haltung bestärkt. Dem ausgewiesenen Experten zufolge ist Ludwig nicht entmündigt worden, weil er verrückt, sondern weil er anders war.

Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man großartig auf die äußeren Ursachen der Tragödie eingehen. Ludwig II. geriet durch seine Bausucht in eine finanzielle Krise, der er nicht mehr Herr wurde. Die pekuniären Verhältnisse waren aber den Royals und der Königlichen Regierung längst bekannt; warum haben sie nicht eher reagiert? Zunächst ist festzuhalten, dass zwischen den ersten Baumaßnahmen und dem Baubeginn von Schloß Herrenchiemsee im Frühjahr 1877 war keine Verschuldung der Kabinettskasse vorhanden. Nach Erhalt eines Darlehens in der Höhe von 7,5 Millionen Mark im Jahre 1884 setzte Ludwig II. sein Bauprogramm uneingeschränkt fort. Nachdem aber im folgenden Jahr 6 Millionen Mark weiterer Schulden angefallen waren, begann er erstmals die rechtliche Grenzlinie der Zivilliste zu überschreiten, indem er seinen Finanzminister Emil von Riedel (1877-1904) am 29. August 1885 dazu aufforderte, seine Finanzen zu regeln, um seine Bauten fortführen und vollenden zu können. Knappe zehn Monate später war der König tot.
Unweigerlich drängt sich vor dem Hintergrund des Fortgangs der Geschichte das Sprichwort auf, daß ein Reich leicht, eine Familie schwer zu regieren sei. Ludwig konnte seine Cousins, die Söhne seines Onkels Luitpold, nicht leiden und mit dem Defizit in der Kabinettskasse schwanden auch die pekuniären Zukunftsperspektiven der kinderreichen luitpoldinischen Prinzen dahin. Während Luitpold vom Kaiserprojekt abriet, verscherbelte König Ludwig durch den sogenannten Kaiserbrief die bayerische Souveränität, wofür er von Bismarck insegsamt etwas mehr als sechs Millionen Goldmark erhalten haben dürfte.

Wie dem auch sei: …

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(Fortsetzung folgt!)

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