Archiv für die Kategorie „Dialekt in Bayern“

Italienisch im Bairischen

Sonntag, 3. April 2011

Es ist nicht die englische Sprache, sondern die italienische, die am meisten Worte ins Deutsche abgibt.

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Es gibt ca. 600 solcher so genannter italienischer Lehnwörter oder Italienismen im Deutschen, sagt Peter Blumenthal, Professor für romanische Sprachwissenschaft an der Universität Köln. Aus dem Italienischen werden Wörter schon seit dem Mittelalter entlehnt. Die älteren Worte, die bis zum 19. Jahrhundert entlehnt worden sind, sind Begriffe für Gegenstände, Institutionen, die in Italien geschaffen worden sind, das sind dann häufig Termini technici. Der frühe Entlehnungswortschatz ist also ein Fachwortschatz. Beispiele finden sich seit dem 13. Jahrhundert im Bankwesen wie “Konto”, “Saldo”, ja auch das Wort “Bank”, das uns doch so deutsch erscheint, aber aus dem Italienischen stammt.

Nur in Ausnahmefällen werden bei derartigen Untersuchungen auch die Dialekte berücksichtigt. In einschlägigen Büchern findet man im besten Fall Hinweise auf einzelne Worte. So kommt z. B. das Wort “Spagat” vom italienischen “spaghetto”. Wer kennt sie nicht die “Spaghetti”? Und die heißen so, weil sie an Bindfäden erinnern.

(Fortsetzung folgt!)

 

Die BREZ’N

Freitag, 3. September 2010

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Wohl kaum ein anderes Brotgebäck ist aus dem Leben der Bayern weniger wegzudenken als die Brez’n. Sie ist fester Bestandteil der bayerischen Eßkultur. Sie ist unverzichtbar zum Leberkäs’ oder zu den Weißwürsten. Besonders gut schmeckt die ofenfrische Brez’n, wenn man sie mit Butter bestreicht. Sie ist so stark in der bayerischen Kultur verankert, daß sie nicht nur als Aushängeschild vieler Bäckereien dient, sondern sogar als Wappen des Landes-Innungsverbandes für das bayerische Bäckerhandwerk.

Wer aber glaubt, die Brez’n sei ein urbayerisches Produkt, der irrt gewaltig. Das Wort ist vom lateinischen “bracchium” (= Arm) abgeleitet, da die Form des Brotes an verschränkte Arme erinnert. Als sich aber die Römer aus dem später bayerischen Stammesgebiet im Laufe des 5. Jahrhunderts zurückgezogen haben, waren die Bajuwaren noch nicht da. Es stellen sich also gleichzeitig mehrere Fragen. Haben die Bajuwaren ein germanisches Brotgebäck mit einem Namen versehen, der sich aus dem Lateinischen herleitet? Oder haben sie ein römisches Brotgebäck auf ihren Speisezettel mitaufgenommen? Dann stellt sich aber die Frage nach der zeitlichen Kluft zwischen dem Abzug der Römer und der Landnahme durch die Bajuwaren. Zur Beantwortung all dieser Fragen, muß der Historiker einen Ausflug in die Theologie machen. Die Liturgiewissenschaftler haben nämlich herausgefunden, daß ursprünglich die Gläubigen in Rom ihr gewöhnliches häusliches – meist also gesäuertes – Brot als eucharistische Gabe mit in den Gottesdienst brachten, vornehmlich in schön gestalteten Formen wie der Ring-, Kranz- oder kreuzgekerbten Scheibenform. Zunehmende Ehrfurcht führte aber im Laufe der Jahrhunderte zur Verwendung von ungesäuertem Brot, das sich dünner, heller und vor allem bröselfreier backen läßt. Das ursprüngliche Kultbrot veränderte sich im Laufe der Zeit, bis es die charakteristische Form der heutigen Brez’n bekam. Zuerst wurde der Ring bzw. der Kranz nicht mehr rund geschlossen, sondern so übereinander gelegt, daß ein Ärmchen abstand und daß es aussah wie eine Sechs. Im 9. Jahrhundert ging man dann dazu über, beide Enden nach innen zu biegen. Und im 11. Jahhundert wurden die nach innen gebogenen Enden in sich verschlungen, wieder nach außen gebogen und durch die Klebekraft des Teiges am Kreisbogen fixiert bzw. aneinandergebacken.

Die bekannteste Variante ist wohl die Laugenbreze. Sie dürfte aber wohl erst im 19. Jahrhundert erfunden worden sein. Auf den ältesten Darstellungen, die Brenzen zeigen, ist das Gebäck weiß.

Pieter Bruegel der Ältere (1525/30-1569): Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (1559; Ausschnitt)

Pieter Bruegel der Ältere (1525/30-1569): Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (1559; Ausschnitt)

(Fortsetzung folgt)